Gestalttherapie

Die Gestaltarbeit als humanistische Therapieform, so wie ich sie verstehe, bringt uns unserem unverstellten Wesen näher, unserem authentischen Selbst. Sind wir mit unserem inneren Kern verbunden, wandelt sich unser Leben und nimmt eine Gestalt an, die uns mehr entspricht. Dies macht uns frei und gründet uns im universellen Wesentlichen, dass dann jederzeit erfahrbar ist. Dies ist der spirituelle Aspekt dabei. Gestaltarbeit kann aber auch ganz einfache Lebenshilfe sein, wenn der Alltag nicht dem entspricht, was man sich eigentlich ersehnt. Oder wenn man überhaupt nicht wahrnehmen kann, was man ersehnt, und stattdessen nur eine diffuse Unzufriedenheit erlebt. Aber auch ganz handfeste Probleme sind hier gut aufgehoben, wie schwere Krisen oder nicht endende Traurigkeit, Dumpfheit, Gefühllosigkeit, Ängstlichkeit, Schüchternheit, Abhängigkeit, immer wieder-kehrender Ärger und Wut. Diese Pallette könnte noch wesentlich erweitert werden. Ganz allgemein gesprochen geht es um die Rückkehr zu sich selbst oder das Finden von mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Gestalttherapie kann z.B. zu Persönlichkeitsentwicklung, aktiver Lebensgestaltung, Mut, Autonomie, Lebensfreude, Veränderung und Kreativität führen. Die Gestalttherapie ergänze ich auch mit Elementen aus der Bioenergetik nach Alexander Lowen und Meditation.


Die Heilung stellt sich ein, wenn wir allem Geschehen Raum lassen: Raum für Trauer, Raum für Linderung, Raum für Elend, Raum für Freude. Dem Nicht-Wissen Raum zu geben ist das Wichtigste.  Pema Chödrön

Im folgenden Text aus dem Buch "Wenn alles zusammenbricht" von Pema Chödrön ist eine Haltung bzw. eine Wahrheit beschrieben, die ich als Grundlage meiner therapeutischen Arbeit heranziehe:

"Wir glauben zutiefst, dass alles vollkommen sein wird, wenn wir nur genug meditiert, genug gejoggt oder uns perfekt ernährt haben. Vom Standpunkt eines erwachten Menschen wäre das jedoch der Tod. Die Suche nach Sicherheit oder Perfektion, die Freude daran, sich bestätigt und heil, selbstzufrieden und bequem zu fühlen, ist eine Art Tod. Es fehlt die frische Luft. Es gibt keinen Raum mehr für Überraschungen. Wenn wir unsere Erfahrung kontrollieren, töten wir den Augenblick. Damit programmieren wir unser Versagen vor, denn früher oder später werden wir eine Erfahrung machen, die wir nicht kontrollieren können: Unser Haus brennt ab, ein geliebter Mensch stirbt, wir erfahren, dass wir Krebs haben, aus heiterem Himmel fällt uns ein Ziegelstein auf den Kopf oder jemand schüttet Tomatensaft über unseren schönen neuen, weißen Anzug.

Herausforderung ist das Wesen des Lebens. Manchmal ist es süß und manchmal bitter. Manchmal verspannt sich unser Körper, und manchmal ist er entspannt und offen. Manchmal haben wir Kopfschmerzen, ein andermal fühlen wir uns ganz und gar gesund. Alle losen Enden zu verknüpfen und schließlich alles im Griff zu haben ist vom Blickpunkt des Erwachens tödlich, denn es erfordert das Leugnen vieler Grunderfahrungen. Eine derartige Einstellung, der Versuch, alle schafen Kanten und Unvollkommenheiten zu glätten und das Leben zu einem netten angenehmen Ausflug zu machen, hat etwas Aggressives.

Ganz und gar lebendig zu sein, ganz und gar Mensch und wirklich wach zu sein bedeutet, unaufhörlich aus dem Nest geworfen zu werden. Voll und ganz zu leben bedeutet, sich ständig im Niemandsland zu befinden, jeden Augenblick völlig neu und frisch zu erleben. Wahres Leben ist die Bereitschaft, immer wieder aufs Neue zu sterben. Das ist das Leben vom Standpunkt des Erwachens. Tod hingegen ist der Wunsch, an dem, was man hat, fest zu halten und sich von jeder Erfahrung bestätigen und auf die Schulter klopfen zu lassen, weil man alles so schön im Griff hat."